Keysi Fighting Method
Moderne Selbstverteidigung aus Spanien
Keysi Fighting Method by Justo Dieguez stellt ein mehrdimensionales Konzept für einen instinktiven und effektiven Selbstschutz dar.
Keysi Fighting Method in Stichpunkten
- Block-Konzept "Pensador" bilded Grundlage
- Kampfdistanzen: lang bis kurz
- Trapping und Takedowns
- Ebenen: stehend bis liegend
- Charakteristische Körpermechanik
- Verteidigung unter Raumnot (Wand, enger Gang)
- Jede Stelle des gegnerischen Körpers kann zum Ziel werden
- Schulung der eigenen Körperwahrnehmung
- Beobachtung des eigenen Umfelds
- Erkennung und Umgang mit eigenen Grenzen
- Training mit Pratzen (Schlagpolstern)
- Training mit einem Partner/Gegner
- Training mit mehreren Partnern/Gegnern gleichzeitig
- Übungen mit Messer und Kurzstock
- Bekannt aus Batman – The Dark Knight, Jack Reacher, Mission Impossible III
Wie unterscheidet sich Keysi von anderen Stilen?
Für Außenstehende ist im Keysi die Doppeldeckung - der Pensador - das wohl bekannteste Wahrzeichen.
Bei physischen Auseinandersetzungen ist hauptsächlich der Kopf das Ziel des Angreifers. Wird eine Person beispielsweise am Kinn oder an der Schläfe getroffen, führt dies zu einem Knockout. Man verliert hierbei das Bewusstsein und geht zu Boden. Im schlimmsten Fall kann der Sturz auf einen harten Gegenstand wie einer Bordsteinkante zu einer tödlichen Verletzung führen.
Um die Wahrscheinlichkeit für Kopftreffer zu reduzieren, wird im Keysi daher grundsätzlich mit der Doppeldeckung gearbeitet.
Der Pensador ist hierbei nicht auf eine statische frontale Deckungsposition beschränkt, sondern wird situationsabhängig variabel eingesetzt. Die Deckung kann in alle Richtungen flexibel ausgerichtet werden. Im Englischen wird hier oft von shielding gesprochen.
Der eigene Schutz ist nicht die einzige Absicht hinter dem Pensador. Blöcke mit dem Pensador können nicht nur passiv sondern ebenfalls aktiv durchgeführt werden. Beim aktiven Blocken wird die Position der Unterarme und insbesondere der Ellbogen auf die angreifende Faust hin ausgerichtet. Trifft die Faust des Angreifers auf den wesentlich stabileren Ellbogen des Verteidigers, können die Handknochen brechen. Der Angreifer verletzt sich somit und lässt möglicherweise von seinem Angriff ab oder ist zumindest eingeschränkter in seinen Handlungen.
Welche Kampfdistanzen werden im Training abgedeckt?
In allen Kampfdistanzen - lang, mittel, kurz - werden sowohl Verteidigungs- als auch Angriffstechniken gelehrt.
In der langen Distanz sind Kicks das Mittel der Wahl, wobei diese im Keysi nie zum Kopf und hauptsächlich unterhalb der Gürtellinie eingesetzt werden. Die lange Distanz wird nicht lange beibehalten. Im Keysi werden Kicks für einen initialen Treffer oder zur Ablenkung bzw. zur taktischen Provokation genutzt, um schnellstmöglich in die mittlere Distanz zu gelangen.
In der mittleren Distanz konzentiert sich das Training auf den Pensador in Kombination mit Boxschlägen. Ebenso kommen Tritte gegen das Knie oder das Schienbein, oder Stampftritte auf den Fuß des Gegners zum Einsatz.
Die kurze Distanz wird im Keysi gegenüber andern Kampfdistanzen favorisiert. Hier entfalten Ellbogen-, Kniestöße, Schluterschläge und Kopfstöße eine massive Wirkung. Optional kann der Pensador aufrechterhalten werden. So sind Ellbogenstöße bei bleibender Schutzposition möglich. In direkter Nähe wird der Gegner mit dem Oberkörer, den Oberschlenkeln und den Knien manipuliert und in eine für ihn ungünstige Position gebracht. Hierbei kommen Trapping (Festhalte- und Kontrolltechniken) sowie Takedowns (das Herunterbringen des Gegners zu Boden) zum Einsatz, die für den Keysi-Schlüler von Anfang an Teil des Unterrichts sind.
Wird Bodenkampf unterrichtet?
Das Training beschränkt sich nicht nur auf die Auseinandersetzung im Stand. Ziel ist es, sich ebenfalls sitzend, kniend und liegend verteidigen zu können und aus verschiedenen Positionen heraus anzugreifen.
Der Kampf in Bodenlage wird so kurz wie möglich gehalten. In einer Notwehrsituation besteht beim Bodenkampf die Gefahr, dass ein weiterer Gegner unbemerkt herankommt und die im Bodenkampf verwickelte Person mit Schlägen und Tritten angreift. Im Keysi-Training werden Bodenkampfpositionen und der Wechsel zwischen den Positionen (engl. transition) trainiert. Das Ziel ist es, möglichst kurz in der Bodenlage zu bleiben. Hierfür werden Schläge trainiert und unter Zuhilfenahme der Ellbogen und der Knie schmerzempfindliche Stellen des Gegners anvisiert. Somit wird der Positionswechsel erleichtert und das Aufstehen aus der Bodenlage ermöglicht.
Was versteht man im Keysi unter dem Begriff Körpermechanik?
Im Stand kommt die, für die Keysi Fighting Method typische, tiefe Kampfstellung zum Tragen. Ein tieferer Schwerpunkt erlaubt hier eine höhere Stabilität und eine schnelle vertikale Bewegung des Oberkörpers. Dies erleichtert das Ausweichen von Schlägen und ermöglicht einen schnellen Richtungs- bzw. Positionswechsel.
Die tiefe Kampfstellung erlaubt zudem eine gute Bewegungsfreiheit der Hüfte in alle Richtungen. Es wird eine höhere Schlagkraft von Faust- und Ellbogenstößen erzielt, indem zusammen mit der Hüftbewegung das ganze Gewicht des Körpers in den Schlag projiziert wird. Dies trifft nicht nur für horizontale Schäge zu. Aufsteigende Ellbogen oder Aufwärtshaken können durch die Vorspannung in der Beinmuskulatur zusätzlich beschleunigt werden. Ähnliches gilt für Ellbogenschläge die von oben nach unten gerichtet sind. Hier wird der Oberkörper über die dei Beugung der Beine in einen tieferen Stand nach unten beschleunigt und die Abwärtsbewgeung auf den Ellbogenschlag übertragen.
Wie kann ich vom Keysi-Training für den Alltag profitieren?
Die eigene Körperwahrnehmung wird im Training spielerisch verbessert, was jeder Anfänger bereits innerhalb von kurzer Zeit deutlich im Alltag spürt. In die Hocke gehen, auf den Boden setzen und wieder aufstehen geht plötzlich wie von selbst.
Neben den technischen und physischen Aspekten steht jedoch deren Zusammenspiel mit Instinkt, Emotionen, dem persönlichen Wohlbefinden, dem Erkennen unserer eigenen Fähigkeiten, dem Bewusstsein über individuelle körperliche sowie emotionale Einschränkungen und dadurch letztendlich das Entfalten der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund.
Gibt es im Keysi ein Graduierungssystem?
Die Unterrichtsmethode folgt einem Trainingsplan, welchem ein Graduierungssystem zugrunde liegt.
Wann spricht man im Keysi vom Núcleo?
In jedem Grad werden vorgegebene Techniken als Schwerpunkt (spanisch Núcleo) unterrichtet. Dies bedeutet, dass der Keysi-Instructor neben den vorgegebenen Schwerpunkten auch andere Trainingsinhalte vermittelt, diese werden jedoch mit geringerer Trainingsintensität (seltener, kürzerer) geübt.
Wird das Training nach Graduierungen unterteilt?
In einer Unterrichtseinheit trainieren alle anwesenden Keysi-Schüler und -Schülerinnen gemeinsam den gleichen Schwerpunkt. Abhängig von der Graduierung wird hierbei die Schwierigkeit bzw. die Variation der vorgegebenen Techniken angepasst.
Dieses Konzept ist sowohl für Keysi-Schüler/-Schülerinnen als auch für Keysi-Instruktoren in vielerlei Hinsicht vorteilhaft.
Schüler/Schülerinnen dürfen jederzeit über den Tellerrand hinausschauen. Es gibt keine Restriktion für das Erlernen von Techniken aus höheren Graden. Ein Keysi-Student soll dem Unterricht intuitiv folgen können. Ist innerhalb des Trainings eine Situation gegeben, in der eine bestimme Handlung als Aktion oder als Reaktion sinnvoll ist, kann diese durch den Keysi-Instructor erläutert und unterrichtet werden. Keysi-Schüler/-Schülerinnen sind somit nicht an ihre aktuelle Graduierung gebunden und die Keysi-Gruppe kann gemeinsam wachsen und neues kennenlernen.
Keysi-Instruktoren können sich auf einen Trainingsschwerpunkt (Núcleo) konzentrieren. Die Vorbereitung der Trainingseinheit ist somit zeitsparender, da nicht vollständig voneinander abweichende Trainingsinhalte abhängig von der Graduierung unterrichtet werden müssen. Selbstverständlich müssen die Schüler/-Schülerinnen abhängig von ihrem Wissenstand gefördert werden können. Hierfür werden die Übungen angepasst. Der Unterrichtsmittelpunkt bleibt jedoch für alle der gleiche.
Welche Begriffe werden im Keysi verwendet?
Die Nomenklatur im Keysi enthält spanische Begriffe. Dies ist naheliegend ist, da Justo Diéguez die Methode in Spanien entworfen hat.
Die Begriffe setzen sich hierbei meistens zusammen aus einem ausführenden Körperteil (z.B. Puño, deutsch Faust) und der Bewegungsrichtung (z.B. circular, deutsch kreisförmig). Der Großteil der verwendeteten Bezeichnungen enthalten zusätzlich ist das Präfix Pensa, welches sich von der Bennenung der im Keysi elementaren Deckung Pensador (deutsch der Denker) ableitet.
Blöcke
| Pensador | Doppelblock |
| Pensador simple | Block mit einer Hand |
| Pensador capa | Horizontaler Block vor dem Gesicht |
| Pensataq | Aktiver Block zum Brechen eines Angriffs |
Schläge
| Pensachoque | Rammender Angriff mit dem Pensador |
| Pensapuno | Gerader Fauststoß |
| Gancho horizontal | Seitwärtshaken |
| Pensapuno ascendente | Aufwärtshaken |
| Pensacodo directo | Gerader Ellbogenstoß |
Tritte
| Pensapatada directa | Gerader Kick |
| Pensapatada circular | Rundkick |
| Pensapatada lateral | Seitwärtstritt |
| Pensapatada obliqua | Stoppritt |
| Pensarodilla directa | Gerader Kniestoß |
| Pensarodilla ascendente | Aufsteigender Kniestoß |
| Pensarodilla descendente | Fallender Kniestoß |
Trapping
| Pensacortedemanga | Horizontalerer Ellbogenstoß mit Clinch-Eingang |
| Pensaatrape hombro | Fixierung der Schulter |
| Pensaatrape brazo | Fixierung des Arms |
| Pensaatrape muñeca | Fixierung des Handgelenks |
| Garraquello | Greifen am Nacken |
| Pensaquello | Clinchposition |
| Candado | Ineinander gefaltete Handflächen zur Fixierung |
Takedowns
| Derribo con arrastre | Herunterziehen des Gegners durch lineare Zugbewegung |
| Derribo con tornillo | Takedown mit enger Drehung |
| Derribo con tornado | Takedown mit weiter Drehung |